„Carbamazepin bei KCNQ2-DEE: Neue Einblicke aus Forschung & Mausmodell“

September 2025

Carbamazepin wird bei Patienten mit KCNQ2-entwicklungsbedingter epileptischer Enzephalopathie (KCNQ2-DEE) oft als erste Wahl Medikament gehalten. Es ist effektiv, um Anfälle zu reduzieren oder zu stoppen. Die Wirkung auf die kognitive Entwicklung wird jedoch noch diskutiert.

Eine aktuelle Studie untersuchte die Langzeitwirkung von Carbamazepin in einem Mausmodell mit Kcnq2-Funktionsstörung. Die Mäuse wurden ab der Entwöhnung 70 Tage lang behandelt. Während dieser Zeit wurden Anfälle überwacht und wöchentliche Blutproben genommen. Im Alter von drei Monaten wurden die kognitiven Fähigkeiten der Mäuse mit dem Water-T-Maze- und Barnes-Maze-Test überprüft. Außerdem wurde die Konzentration von Carbamazepin und Carbamazepin-Epoxid im Gehirn gemessen.

Ergebnisse:

  • Nach 70 Tagen Behandlung traten in der Kcnq2-DEE-Gruppe nur 1 von 12 Mäusen unter Carbamazepin Anfälle auf, verglichen mit 8 von 13 Mäusen in der Kontrollgruppe.
  • Die Wirksamkeit von Carbamazepin auf Anfälle war progressiv und korrelierte mit der Anhäufung von Carbamazepin-Epoxid im Gehirn.
  • Die kognitiven Fähigkeiten der behandelten Mäuse entsprachen denen der Wildtyp-Mäuse.

Informationen aus dem Austausch mit Dr. Laurent Villard und Aila Coulmann für den KCNQ2 e.V.:

  • Frage: Könnten ähnliche kognitive Verbesserungen auch bei anderen Natriumkanalblockern oder -öffnern wie Lacosamid, Oxcarbazepin oder Phenytoin auftreten?

Antwort: Diese Substanzen wurden in unserem Modell bisher nicht getestet. Die Experimente sind zeitaufwendig und teuer, und jedes Medikament benötigt ein eigenes Forschungsprogramm.

  • Frage: Werden andere Natriumkanalmodulatoren in Patienten/Mausmodellen mit KCNQ2-Verlust-Funktionsvarianten getestet?

Antwort: Wir arbeiten mit unserem KCNQ2 Knock-in-Mausmodell, das sowohl spontane Anfälle als auch neuroentwicklungsbedingte Defizite zeigt. Die meisten anderen Modelle zeigen keinen starken kognitiven Phänotyp, daher ist eine Wirksamkeitsbewertung schwierig.

  • Frage: Was macht Carbamazepin in Bezug auf kognitive Effekte einzigartig?

Antwort: Wir entwickeln ein neues Forschungsprojekt, um die zellulären und molekularen Folgen einer CBZ-Behandlung zu untersuchen – sowohl im Mausmodell als auch in patientenspezifischen iPSC-Neuronen. Wir hoffen, dadurch neue Einblicke in die Wirkung von CBZ zu gewinnen und mögliche neue Behandlungsziele zu identifizieren.

  • Frage: Soll CBZ als bevorzugtes Medikament für Patienten mit Verlust-Funktionsmutationen betrachtet werden?

Antwort: CBZ ist die bevorzugte Option zur Kontrolle von Anfällen. Die Auswirkungen auf kognitive Ergebnisse müssen noch klinisch untersucht werden. Es gibt bereits Forschungsgruppen, die diesen Aspekt weiter untersuchen.

Publikation:

https://www.nature.com/articles/s41598-023-40472-w

Disclaimer:

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Behandlungsentscheidungen müssen stets gemeinsam mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten getroffen werden.